Entwicklung eines nachhaltigen Medienkonzepts am FSG

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Wer am FSG in den Pausen oder im Unterricht mit dem Handy erwischt wird, wird getadelt – denn die Schulkonferenz hat sich für ein Handyverbot in vielen Bereichen unserer Schule ausgesprochen. Dem widerspricht jedoch nicht, dass Mobiltelefone und andere Medien gezielt zum Lernen eingesetzt werden. Das Franz-Stock-Gymnasium arbeitet seit gut einem Jahr an einem nachhaltigen Medienkonzept – und neueste Studien geben uns Recht: Smartphone und Tablet machen zwar die Schüler nicht smarter – bringen aber keine Nachteil beim Lernen und erhöhen die Medienkompetenz der Lernenden. Lesen hier dazu einen Beitrag der WP.

Einige technische und auch pädagogische Teilziele konnten bereits realisiert werden. Das Schaffen technischer Voraussetzungen, bei dem Sponsoren unterstützten, ist jedoch nur der erste Schritt. Die Lehrerin Jenny Radzimski-Coltzau entwickelt das pädagogische Konzept in Kooperation und enger Abstimmung mit den Fachschaften und dem Beratungsteam.

Das Franz-Stock-Gymnasium legt großen Wert auf eine umfassende Ausbildung seiner Schülerinnen und Schüler und ist daher auch im Hinblick auf den Einsatz neuer Medien und Techniken exemplarisch. Jeder Klassen- und Kursraum ist mit einem leistungsfähigen Beamer und mindestens mobilem W-LAN ausgestattet, es stehen iPads zu Recherche-, Dokumentations- und Präsentationszwecken zur Verfügung, zwei modern ausgestattete Computerräume ermöglichen die Informatikausbildung an Rechnern mit dem weit verbreiteten Betriebssystem Windows.

Das Medienkonzept des FSGs sieht die Ausbildung von zwei MedienScouts pro Klasse vor, welche die Fachlehrer beim Einsatz der neuen Medien, auch von Schülergeräten wie Handys oder Laptops, unterstützen. Diese Scouts werden über zwei Hierarchiestufen, sowohl von Oberstufenschülern als auch von einer Lehrkraft betreut. Den Lehrerinnen und Lehrern werden nicht nur von externen Experten sondern auch von hausinternen, sogenannten KeyUsern, in regelmäßigen Abständen Fortbildungen zu unterschiedlichen, medienbezogenen Themen angeboten.

Der Medienpädagogische Bereich setzt auf die Schulung von MedienCounselors. In Absprache mit den Klassenlehrern besuchen diese Schülerinnen und Schüler der Stufen 8 bis 10 ihre Mitschüler ab Klasse 5 mindestens einmal jährlich für ein paar Unterrichtsstunden, um sie dabei zu unterstützen, einen kritischen Blick auf den Umgang mit neuen Medien zu entwickeln. Die Counselors halten dafür Vorträge, zeigen Filme und regen Diskussionen an. Unter ihrer Leitung erwerben die Schülerinnen und Schüler des FSGs auch den Medienpass. Die Counselors werden auch eine Informationsveranstaltung für interessierte Eltern anbieten.

Das Konzept setzt auf das Primat der Didaktik, d.h. im Vordergrund steht die Frage welches Ziel im Unterricht erreicht werden soll. Im zweiten Schritt werden dann die Medien ausgewählt. „Dieser Ansatz ist nicht nur zeitgemäß, sondern meiner Einschätzung nach auch einer der wenigen nachhaltigen Wege.“ erläutert der Schulleiter Dr. Andreas Pallack. „Ich durfte einen Vortrag des Mediendidaktikers Prof. Kerres besuchen, der auf Basis seiner umfassenden Expertise zum gleichen Ergebnis kommt. Wenn wir nur von der Technik aus denken, verfolgen wir Irrwege – das haben in der Vergangenheit Sprachlabore und andere technische Entwicklungen eindrucksvoll bewiesen. Auch den Techniken die uns heute umgeben wird es nicht anders ergehen: Sie werden vom Zeitgeist überholt. Wenn wir sowohl vom Fach wie auch vom Schüler und der Technik die ihn umgibt aus denken, können wir die weitere technische Entwicklung mit einer gewissen Gelassenheit verfolgen. Wir werden unsere pädagogischen Zielsetzungen realisieren können ohne die dabei die Entwicklung der Technik aus den Augen zu verlieren.“

Einem besonderen Projekt haben sich dabei einige Mitglieder der Fachschaft Mathematik angenommen. In Kooperation mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung der dem Landesinstitut Qua-Lis werden für die neuen Lehrpläne Mathematik am FSG im Rahmen von SINUS.NRW Beispiele ausgearbeitet, die insbesondere zeitgemäße Medien digitale nutzen. Dr. Pallack: „Wir profitieren hier von einem breiten Erfahrungsschatz, der bundesweit in den letzten Jahren entwickelt wurde. Unsere Beispiele bauen sowohl auf abgesicherten Erkenntnissen der Lehr- und Lernforschung wie auch auf Best-Practice-Beispielen auf.“ Die Beispiele werden ab dem nächsten Schuljahr auch anderen Schulen in NRW zur Verfügung gestellt, um den Einstieg in eine nachhaltige Medienentwicklung zu erleichtern.

Die Entwicklungen des FSG stoßen bundesweit auf Interesse. So wurde der Schulleiter Dr. Pallack bereits zum Kongress DER ZEIT eingeladen, hat die Ideen bei einer Tagung der Medienberatung NRW und in Expertenrunden vorgestellt. Es folgten weitere Einladungen der Initiative D21 sowie zum Deutschen Schulleiterkongress 2015. Dr. Pallack: „Die Resonanz auf die in Kooperation mit dem Schulträger, der Stadt Arnsberg, entwickelten Konzepte ist überraschend gut – und doch möchte ich vor zu viel Euphorie warnen. Der Lehrer ist nach wie vor der wichtigste Akteur – digitale Medien alleine bringen keinen Lernerfolg.“