Geschichte (er)leben – ein Besuch in der Gedenkstätte und im Ort Wewelsburg

wewelsburg 2Jamie Lee Merckx, Lea Schmidt und Leah Witteck (9b) berichten von ihren Eindrücken auf der Exkursion der Klassen 9a, 9b und 9d:
„Gestern waren wir auf der Wewelsburg in der Nähe von Paderborn. In diesem Ort, der sich direkt an das ehemalige Schloss der Fürstbischöfe von Paderborn aus dem frühen 17. Jahrhundert anschließt, gab es zur Zeit des Nationalsozialismus ein Konzentrationslager, dessen Insassen beim Um- und Ausbau des Schlosses zu einem ideologischen Zentrum der SS (Schutzstaffel) herangezogen wurden.
Zu Beginn unseres Besuches haben wir einen Film geguckt, in dem der Lebenslauf eines der KZ-Häftlinge vorgestellt wurde. Ziemlich beeindruckend fanden wir, dass er es zweimal geschafft hat, aus Konzentrationslagern zu fliehen und die lange Zeit des Leidens überlebt hat. Nach dem Film haben wir (die Klasse 9b) einen Rundgang durch das Dorf gemacht und haben das heutige Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers besichtigt. Wir haben uns das ehemalige Torhaus und die Häftlingsküche – beide Häuser sind heute bewohnt und teilweise umgebaut worden – von außen angesehen und mit alten Aufnahmen verglichen.
Auf dem ehemaligen Appellplatz gibt es heute eine Gedenkstätte für die insgesamt 1285 Opfer, die im KZ Niedernhagen-Wewelsburg zu Tode gekommen sind. Frau Evers, unsere Museumspädagogin, hat uns viele interessante Dinge über die einzelnen Häuser und das Mahnmal erzählt, und wir haben uns gefragt, wie es sich wohl anfühlen muss, in einem Haus zu wohnen, in dem früher Menschen misshandelt worden sind. Auch den ehemaligen Schießstand der SS im Wald, der erst teilweise freigelegt worden ist, haben wir besucht – er wird seit einigen Jahren von Freiwilligen (auch vielen Jugendlichen) aufgeräumt. Dort wurden auch schon viele Überreste aus der NS-Zeit gefunden, z.B. Helme und Karabinerhaken. Leider konnte man den Schießstand selbst aus Versicherungsgründen nicht betreten.

WewelsburgNach einer einstündigen Mittagspause haben wir den Teil der Gedenkstätte besucht, der sich mit der Geschichte der Opfer des KZ beschäftigt. Dort durften wir in Partnerarbeit selbst auf Spurensuche gehen und uns über die Geschichte der Opfer informieren. Hierzu gibt es viele Briefe und Originaldokumente, aber auch Zeitzeugenberichte und –interviews. Dadurch, dass wir uns selbst mit den Themen beschäftigt haben, wurde uns erst richtig bewusst, wie erschreckend die Menschen damals gelebt, gefühlt und gedacht haben, vor allem, weil wir das Geschehene direkt von den Überlebenden selbst erzählt bekommen haben.
Im Anschluss sind wir dann in den Nordturm der Burg gegangen. Wir waren zuerst in der Gruft und haben dort ein paar Experimente mit der Akustik gemacht. Wenn man sich in die Mitte der Kuppel stellt, hört man sich selbst wie aus einem Mikrofon, und wenn man gegen die Wand flüstert, kann man es auf der anderen Seite des Raumes klar und deutlich verstehen. Das liegt an der besonderen Bauweise des Raumes. In der Gruft selbst gibt es eine Ausstellung mit Bildern, die an das Leiden der Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Von der Gruft aus sind wir in den Obergruppenführersaal der SS gegangen, und auch hier gibt es eine Ausstellung mit Fotos: sie zeigen die jährlichen Gedenkfeiern der Überlebenden des KZ Niedernhagen-Wewelsburg, die immer am 2. April stattfinden. Während wir auf den großen orangefarbenen Sitzkissen saßen oder lagen, hat uns Frau Evers noch weitere erschreckende Geschichten aus dem KZ erzählt, z.B. dass ein Junge erhängt wurde, weil er einen Schneeball auf die Tochter des SS-Obersturmbannführers geworfen hatte. Es ist kaum vorstellbar, dass es eine Zeit gegeben hat, in der Menschen wegen solcher Kleinigkeiten sterben mussten.
Damit ging ein sehr interessanter und lehrreicher Tag zu Ende – wir haben viel über die Zeit des Nationalsozialismus erfahren und Geschichte einmal ganz anders erlebt als im Unterricht!“