Integration und Inklusion – die Rolle digitaler Medien

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Das Franz-Stock-Gymnasium bereitet sich auf die Herausforderungen der Zukunft vor. Jüngst berichtete die FAZ über die Aktivitäten zu digitalen Medien am FSG. Da jedoch auch Themen wie Integration oder Inklusion sehr präsent sind, wurden hier für Interessierte einige grundlegende Ideen zusammengestellt, um die Berührungspunkte zur Schulentwicklung am FSG deutlich zu machen und Zusammenhänge zwischen Integration und digitalen Medien aufzuzeigen.

Diskutiert werden solche Trends und Themen am Franz-Stock-Gymnasium in den Klassenteams sowie Fachschaften, aber auch in von Eltern initiierten Schulentwicklungsforen. Erprobt werden Konzepte zum Einsatz digitaler Medien verstärkt in unseren Medienklassen – neuerdings aber auch in der internationalen Vorbereitungsklasse.

Zu den Themen Integration und Inklusion wird es in diesem Schuljahr noch einen pädagogischen Tag geben. Wir laden Sie herzlich sich bei der Weiterentwicklung unserer Schule zu engagieren und freuen uns auf Ihren, gerne auch kritischen, Beitrag.

Integration und Inklusion – die Rolle digitaler Medien

von Andreas Pallack

Inga Michler berichtet in ihrem Beitrag Das klickende Schulzimmer (Michler 2015) von ungeahnten Herausforderungen, die sich Lehrern und Eltern in den Zeiten der Digitalisierung stellen. Hier findet man auch ein Zitat von Birgit Eickelmann: „Wenn wir den Lehrern nicht gleichzeitig vermitteln, was sie mit der Technik in ihrem konkreten Unterricht anfangen können, wäre das die reinste Geldverschwendung.“

Doch worin liegt das Potenzial digitaler Medien? Was soll man vermitteln und welche Herausforderungen können so gestemmt werden? Und beinhalten digitale Medien auch Antworten auf Herausforderungen wie Integration und Inklusion?

Jahrzehnte nach dem Siegeszug des Computers befinden wir uns am Anfang einer Entwicklung, die Schulen in der Zukunft verstärkt beschäftigen wird. Digitale Medien sind omnipräsent – nahezu jeder Schüler hat heutzutage einen individualisierten Mini-Computer in der Tasche – viele Chancen ergeben sich. Ein Trend ist damit zur Notwendigkeit geworden und muss fortgeschrieben werden: Die Individualisierung des Lernens.

>> Bildung demokratischer machen <<

„Richtig verstanden bieten die neuen technologischen Möglichkeiten (…) eine Chance zur Überwindung (…) einer außengeleiteten Massenbildung, die nach wie vor an ständischen und biologistischen Vorstellungen, letztlich an einem überholten Menschenbild, orientiert ist und damit zu einer Perpetuierung von Klassenschranken beiträgt. Die zentrale Voraussetzung für das Überleben und die Weiterentwicklung unserer Demokratie im globalisierten Zeitalter, nämlich Chancengleichheit und optimale Potenzialverwirklichung durch öffentliche Bildung zu gewährleisten, lässt sich tendenziell erfüllen – zumindest eröffnen sich in dieser Hinsicht erweiterte, auch technikgestützte Gestaltungsräume.“ betont Burrow (2014, S. 172).

Digitale Inhalte haben das Potenzial Bildung demokratischer zu machen. Die Vielzahl verfügbarer Produkte erlauben es Lernenden aus Inhalten auszuwählen, Medien zu nutzen und auch zu gestalten – und das jederzeit. Das dafür nötige Umdenken vom Lernen im Gleichschritt hin zu individualisierteren Formen benötigt Offenheit, kostet Zeit und Energie. Selbige muss gut investiert werden.

Integration

Parallel zu dieser Entwicklung stehen alle Schulen vor den Herausforderungen der Integration, in den Medien wird dabei meist nur von Inklusion gesprochen (sehen Sie dazu hier einen Beitrag des WDR – Quarks&Co vom 07.01.2014). Grob gesagt geht es dabei darum Menschen in Prozessen, wozu auch Bildungsprozesse gehören, zu integrieren und nicht auszuschließen. Sich dabei ausschließlich auf das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht-behinderten Menschen zu konzentrieren greift zu kurz.

Burrow führt zum Thema Inklusion aus: „Nicht von ungefähr verbreitet sich (…) die Forderung nach einer inklusiven Schule (…). Inklusion zielt in diesem Sinne nicht nur auf die Förderung von Kindern mit Behinderungen, sondern auf eine Schule, die alle Begabungen, auch Hochbegabungen, gleichermaßen fördert. (…) Erst wenn die Schulen bereit sind, die Schranken einzureißen, die noch immer viel zu viele Heranwachsende daran hindern, ihr Potenzial zu entwickeln, behält öffentliche Bildung ihre Existenzberechtigung.“ Burrow (2014, S. 173)

>> Fragen um Integration dürfen nicht in pauschalen Antworten münden <<

Bereits vor 5 Jahren wurde am Franz-Stock-Gymnasium Arnsberg der erste Lernende mit sonderpädagogischen Förderbedarf aufgenommen – weitere Schülerinnen und Schüler folgten. Das Gütesiegel individuelle Förderung belegt, dass es in der Vergangenheit gelang das Potenzial schwächerer Schülerinnen und Schüler wie auch das Potenzial von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen zu fördern – dem auch in Zukunft gerecht zu werden ist eines unserer Ziele, das wir auch im Schulprogramm ausweisen. Bei der Inklusion unterscheidet man zusätzlich zwischen zielgleich und zieldifferent zu unterrichtenden Schülern. Beide Formen werden am Franz-Stock-Gymnasium angeboten – beide Formen beinhalten ihre eigenen Herausforderungen.

Die Integration von Schülern ist Gegenstand öffentlicher Diskurse. Meiner Einschätzung nach dürfen Fragen um Integration nicht pauschal in der Antwort „Eine Schule für alle“ enden. Das gegliederte Schulsystem ist nicht notwendig ein Hindernis, auch wenn es natürlich Optimierungsmöglichkeiten, wozu insbesondere die Übergänge aber auch die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen zählt, gibt. Der gymnasiale Bildungsgang verfolgt das Ziel den Schülerinnen und Schülern eine vertiefte Allgemeinbildung, wissenschaftspropädeutische Arbeitsweisen sowie Studierfähigkeit zu vermitteln. Dabei orientieren sich Gymnasien an landesweiten Standards, die vor Ort in schulinterne Lehrpläne übersetzt werden.

Alle Schulen haben neben ihrem Auftrag Lehrpläne umzusetzen darüber hinaus gehende pädagogische und gesellschaftliche Aufgaben. Da jede Schule – wie auch jeder Mensch – anders ist, muss auch jede Schule eigene Wege finden sich neuen Herausforderungen zu stellen. Am Franz-Stock-Gymnasium gehört dazu auch die Möglichkeiten digitaler Medien auszuloten.

Rollen digitalen Medien bei der Integration

Digitale Medien können Unterricht – und damit auch inklusiven bzw. gemeinsamen Unterricht – bereichern, da sie das bisherige Medien-Repertoire erweitern. Zur Entwicklung des Potenzials von Schülerinnen und Schülern benötigt man geeignete Umgebungen – eine Erweiterung der Möglichkeiten kann entsprechend nur gewinnbringend sein, da sich die Spielräume vergrößern.

Dazu ein Beispiel: Es ist möglich Menschen, welche noch nicht über die notwendigen Kenntnisse der deutschen Sprache und damit dem Schlüssel zur schulischen Bildung in Deutschland verfügen, Software zur Verfügung zu stellen, die es ihnen erlaubt nach eigenem Tempo zu lernen. Eine dazu notwendige Voraussetzung ist der Wille und die Selbstständigkeit des Lernenden – mindestens genauso wichtig ist es jedoch das schulische Lernen nicht als anonymen Prozess zu gestalten, sondern eine Umgebung zu schaffen, in der die Sinnhaftigkeit des Lernens sichtbar wird. Eine gute Beziehung zwischen Lehrkraft und Lernendem sowie die Berücksichtigung der Lebensrealität der Schüler, auch mit ihrem kulturellen Hintergrund, sind dabei ein guter Nährboden; digitale Medien eine interessenbezogene Ergänzung zur optimalen Förderung des Potenzials.

Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz digitaler Medien zur Kompensation von Defiziten. Sven Becker (2012) berichtet über den Einsatz von Tablet-Computern in einer Klasse, die auch Schüler mit Sehbinderung besuchen. Er schreibt: „Deshalb sind auch die Lehrer hier besonders sensibilisiert für den Nutzen digitaler Medien und stehen zu ihnen in einem dynamischeren Verhältnis als es in Regelschulen noch häufig zu beobachten ist. Das Lehrpersonal ist weitestgehend mit der Technologie vertraut. Alle Lehrer werden im Umgang mit digitalen Medien intern fortgebildet, so dass sie sie fundiert im Unterricht einsetzen können.“ Das digitale Medium ermöglicht den Zugang zu Bildungsressourcen – schafft also den notwendigen Zugang auf eine zeitgemäße Art und Weise.

Die Unterstützung des fachlichen Lernens ist aber nur ein Aspekt zur gelingenden Integration – die Medien können auch durch kreativen Umgang mit ihnen zum Vermittler werden. Werning (2015) berichtet über ein Filmprojekt für unbegleitete Flüchtlinge. Erstellt wurde ein Stummfilm. Dabei wurde zum einen gelernt wie Videoproduktion funktioniert – zum anderen entwickelte sich auch ohne gemeinsame Sprache Kommunikation. Auf der Website http://www.inklusive-medienarbeit.de finden sich viele solcher aus meiner Sicht positiven Beispiele.

(Zwischen-)Fazit

Lernen ist ein aktiver, kognitiver aber auch sozialer Prozess der, wenn er nachhaltig angelegt sein soll, den Lernenden berühren muss. Integration stellt den Menschen und die Beziehung zwischen Menschen in den Mittelpunkt, denn „Die Schule, das sind die Menschen“. Die damit verbundenen Herausforderungen erfordern von allen Beteiligten Offenheit – auch in Hinblick auf die Auswahl der Medien. Die Möglichkeiten digitaler Medien erweitern das Repertoire und erlauben die Planung individueller Lernwege, was mir insbesondere bei der Integration von Kindern und Jugendlichen besonders gewinnbringend erscheint. Wir planen über gute Beispiele zum Medieneinsatz im Rahmen der Integration zu berichten.

Quellen

Becker, Sven (2012) Mit Tablet-Computern zu besserer Inklusion von Blinden und Sehbehinderten: http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/mit-tablet-computern-zu-besserer-inklusion-von-blinden-und-sehbehinderten.html (letzter Aufruf 01.03.2015)

Burrow, Olaf-Axel (2014) Digitale Dividende – Ein pädagogisches Update für mehr Lernfreude und Kreativität in der Schule. Beltz-Verlag, Weinheim-Basel.

Michler, Inga (2015) Das klickende Schulzimmer: http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article137938632/Das-klickende-Schulzimmer.html (letzter Aufruf 01.03.2015)

Werning, Carola (2015) Film verbindet – Ein inklusives Medienprojekt von Julia Behr / JuMP NRW: http://www.inklusive-medienarbeit.de/film-verbindet-ein-inklusives-medienprojekt-von-julia-behr-jump-nrw/ (letzter Aufruf 01.03.2015)